Apfelbaum mit Bezugsadresse

Apfelbaum mit Bezugsadresse
Veröffentlicht am Di., 1. Sep. 2020 13:27 Uhr
Gemeindebrief

Wer einen Apfelbaum pflanzen will, findet dafür im Internet zahlreiche Bezugsadressen. 

Zu dem dort verfügbaren Angebot gehört auch die Sorte „Luthers Apfelbaum“. Seine Früchte sind gelb mit roten Backen, dem klassischen Borsdorfer Apfel verwandt. Herzhaft und wohlschmeckend. 

Ob die Bäumchen mit einer Info versandt werden, die erklärt, wie die Sorte zu ihrem Namen kam, weiß ich nicht. Hier für alle Fälle die Herkunftsgeschichte: 

Am Anfang steht ein berühmtes Lutherzitat: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ 

Die Theologen sind sich zwar einig, dass es für dieses Zitat bei Luther keinen Beleg gibt. Man kann sich nur vorstellen, dass Luther es gesagt haben könnte. 

Dennoch hängen Generationen an diesem Satz. Der Appell, der darin steckt, findet vor allem in schwierigen Zeiten den Weg in die Herzen. Es ist ein Bild der Hoffnung: Das Leben geht weiter, auch wenn ich es nicht mehr mitgestalte.

Dass sich diese Hoffnung an einen Baum bindet, ist nicht ganz zufällig. Wenn Kinder anfangen zu malen, gelten ihre ersten Versuche, diesen beiden Motiven: Baum und Mensch. Es ist, als sei uns von Anfang an ein Wissen eingegeben, dass Bäume unserer engsten Verbündeten sind, oder, wie die Indianer sagen: „Bäume sind unsere stehenden Brüder und Schwestern.“

Mit Hilfe der Bäume begann der Mensch sich einzurichten in der Welt. Bis heute ist er, von der Papierherstellung über die Bauwirtschaft bis hin zur Energieversorgung, in unzähligen Bereichen des Lebens auf die Bäume angewiesen.

Doch Bäume sind nicht nur Holzlieferanten und damit ein Wirtschaftsgut. Sie sorgen auch für gute Luft und sind uns darum unverzichtbarer denn je.

Sie haben aber auch eine spirituelle Dimension. Buddha hatte seine Erleuchtung im Schatten des Heiligen Pipalbaumes. Den Schamanen führt die Birke auf den Weg der Erkenntnis. An einer Eibe macht die nordische Mythologie ihre Vorstellung vom Weltenbaum Yggdrasil fest, und noch im Baum der Erkenntnis, den Gott ins Paradies pflanzte und dem Zugriff des Menschen entzogen wissen wollte, klingt etwas an von der mythischen Kraft dieses Gegenüber, das wir Baum nennen.

Wir schulden ihm Respekt.

Gisela Brackert