Hoffnungszeichen

Hoffnungszeichen
Veröffentlicht am Di., 1. Sep. 2020 13:20 Uhr
Gemeindebrief

Liebe Gemeinde!

Liebe Menschen im Bahnhofs-, Gutleut-, Gallusviertel und im Westend!

Sie haben die erste Ausgabe des „Hoffnungszeichen“ in Händen. Vorher hieß unser Gemeindebrief „Evangelische Zeitung“ – und das schien uns bei einem Druckerzeugnis, das nur alle drei Monate erscheint, mehr als mutig: So tagesaktuell können wir da nicht sein.

Bei der Suche nach einem neuen Namen sind wir dann auf „Hoffnungszeichen“ gekommen – ein kleines Wortspiel zunächst, denn wir sind ja die Hoffnungsgemeinde. Nun gibt es bei einer „Evangelischen Zeitung“ die Herausforderung, aktuell und noch dazu evangelisch zu sein. Bei einem „Hoffnungszeichen“ ist die Anforderung viel höher; denn schaffen wir es wirklich, „Hoffnungszeichen“ zu setzen? Was ist das eigentlich, ein Hoffnungszeichen?

Viele Menschen warten in diesen Corona-Zeiten bei den tagesaktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts auf Hoffnungszeichen. Steigen die Infektionszahlen oder gehen sie zurück? Droht ein zweiter Lockdown oder bekommen wir die Krise in den Griff? Für viele Branchen, kleine Unternehmen und deren Mitarbeiter hängt daran viel mehr als die Unbequemlichkeit, eine Mund-Nasen-Maske tragen zu müssen. Andere schauen mit Erwartung auf die Umfragewerte für die Präsidentschaftswahl in den USA. Immer verquerer werden die Äußerungen des Präsidenten dort. Kann man den Hoffnungszeichen trauen, dass er im November abgewählt wird? Und wieder andere Menschen erwarten wirklich persönliche Hoffnungszeichen: Die Blutwerte verheißen, dass die Krankheit verschwindet; der 

Blumenstrauß eines lieben Menschen lässt hoffen, dass die Liebe bleibt.

Ein Hoffnungsschimmer – Licht am Ende des Tunnels – der Silberstreif am Horizont. Es gibt feste Bilder für Hoffnungszeichen und es herrscht ganz schnell „Kitsch-Alarm“: Dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Der letzte Zweig, an dem wir uns festhalten, ist auch so etwas. 

Aber ein wirkliches Hoffnungszeichen, das erste, das wir in der Bibel finden, ist der Ölzweig. Er begegnet uns zunächst nur als einziges Ölblatt am Ende der Sintflutgeschichte, als die Wassermassen zur Ruhe gekommen sind. Es ist noch kein „Land in Sicht“, aber vielleicht kann man das herausfinden. 

„Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche; denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden. Da tat er die Hand heraus und nahm sie zu sich in die Arche. Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals die Taube fliegen aus der Arche. Sie kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden.“                                            1. Mose 8, 8-11

Der Unterschied vom Kitschbild zum belastbaren Hoffnungszeichen steckt im Wort „harren“. Ausharren ist ein Hoffen gegen den Widerstand. Dranbleiben, auch wenn die Statistiken in die falsche Richtung gehen. Ein Hoffnungszeichen lässt mich nicht stur immer nach dem gleichen Muster handeln, sondern beweglich nach neuen Möglichkeiten schauen: „Abermals“ lässt Noah die Taube los. Ein Hoffnungszeichen – es lässt mich leicht werden und schwer hoffen!

Ich wünsche Ihnen von Herzen Hoffnungszeichen!

Ihr Pfarrer Andreas Klein