Anspannung und Entspannung in Corona-Zeiten

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Veröffentlicht am Do., 18. Jun. 2020 09:46 Uhr
Gemeindebrief

Ist das Bahnhofsviertel durch die C-Krise jetzt unbelebter, jener Stadtteil, der angeblich niemals schläft? Die Bänke auf der Kaiserstraße sind für alle da, folglich werden sie auch von Roma-Familien genutzt, die aber als Sippe nicht auf den vorschriftsmäßigen Personenabstand achten - bewusst oder nach einem Laissezfaire-Gefühl ? Wie kann man Menschen ohne festen Wohnsitz vertreiben und ihnen klarmachen, dass sie Personenansammlungen meiden sollen, wenn der „Kaisersack“ das Wohnzimmer ist, während andere die Empfehlung „Bitte zu Hause bleiben“ befolgen sollen? Die Ordnungskräfte stoßen hier an Grenzen.

Rückblick: Die Vorfrühlingsstimmung ist trotz Sonnenschein und blauem Himmel gedämpft. Angesagt ist das Europa-Cup-Spiel Eintracht Frankfurt gegen den FC Basel, es findet als „Geisterspiel“ statt, denn es fehlt der 12. Spieler einer Mannschaft, sprich der Fan, der seinen Verein lautstark anfeuert. Die Enttäuschung derjenigen, die ein Ticket für dieses Heimspiel erworben haben, schlägt um in Wut gegen Politiker jeglicher Couleur und politischer Ebene, die nun Spielverderber im wahren Sinne des Wortes sind.

Einige Menschen sind entspannt wie immer, andere vermissen ihre alltägliche Hektik - liegt dazwischen das jetzige Leben in Zeiten wie diesen? Anspannung und Entspannung in Corona-Zeiten

Beim Gang durch das Viertel fällt bei aller Vielfalt der Sprachen das eine Wort auf: C. in aller Munde ! Ernste Mienen bei Geschäftsinhabern sind wahrnehmbar; gegenüber an der Straßenbahnhaltestelle in der Münchener Straße: Ein Pärchen - beide mit Mund-und Nasenschutz versehen - tauscht Küsse aus; auch eine gefilterte Zärtlichkeit kann den Augenzeugen optimistisch stimmen.

Das Hessische Fernsehen sendet wiederholt Landschafts-und Städte-Exkurse mit Szenen von Volksfesten - eine ferne Zeit -, wann wird es das gemeinsame Feiern und auch Trauern wieder geben, wann wird wieder zu Live-Gottesdiensten eingeladen? Schon die traditionellen Ostergottesdienste haben viele vermisst; das Kirchenjahr 2019/2020 hat zwar keinen Bruch, aber eine empfindliche Feststimmungslücke hinterlassen.

Zurück zur Gegenwart: Die C-Krise wird uns noch geraume Zeit beschäftigen. Wann wird die sogenannte Normalität wieder hergestellt sein? Ist der übermäßige Fluglärm für die Betroffenen, sind die Stickoxydwerte, wie gehabt, normal? Das große Nachdenken sowie die Bewährungsprobe für die Lösung aller bestehenden Umweltprobleme steht noch bevor!

Wenn wir dann das schöne Lied „Nun danket alle Gott ... (EG 321) freudig singen dürfen, wird es eine kurze Entspannung geben. Die nächste Anspannungsphase angesichts der Probleme auf diesem schönen Planeten bleibt aber sicher nicht aus.

Peter Metz

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