1. Videoandacht am 22.3.2020 - Sonntag Lätare

© Eva Scheb
Veröffentlicht von Andreas Klein am Mi., 18. Mär. 2020 17:05 Uhr
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In den nächsten Wochen feiern wir keine öffentlichen Gottesdienste in der Kirche. Dafür haben wir uns etwas Anderes überlegt: Pfarrerin Dr. Annegreth Schilling, die jetzt neu ins Pfarrteam eingestiegen ist, und Pfarrer Andreas Klein werden wöchentlich in Zusammenarbeit mit unseren Musikern eine kleine Videoandacht aufnehmen, die jeweils sonntags ab 8.00 Uhr abrufbar ist. In diesen Andachten beten wir mit Ihnen und wollen auch Ihre Gedanken und Gebete aufnehmen. Ihre Gebete können Sie uns schicken an: 

gebet@ev-hoffnungsgemeinde.de

Außerdem haben wir einen kleinen Leitfaden für ein Gebet zu Hause für Sie zusammen gestellt. Im Gebet sind wir miteinander und mit Gott verbunden.



Frankfurt am Main, am Donnerstag später Nachmittag dieser Woche.

Das macht es den Menschen gerade so schwer, nicht rauszugehen: 

Denn die Kirsch- und Mandelbäume und die Magnolien fangen an zu blühen.

Immer noch viel zu viele Menschen zusammen unterwegs – dort am Mainufer.

Fast wie immer, denn es ist 18 Grad und Sonne, der Frühling beginnt.

Und heute ist schon an vielen Orten Ausgangssperre. 


Liebe Gemeinde!

Dieser heutige Sonntag heißt „Lätare“ und das heißt: Freut euch. 

Dieser Sonntag wird auch das kleine Osterfest mitten in der Passionszeit genannt. 

Und das mag in sich so widersprüchlich klingen, wie das Empfinden, das uns in diesen Tagen hin und her schaukelt. 

Da ist die große Sorge um den Verlauf der Corona-Krise. 

Die Furcht davor, all das nicht in den Griff zu bekommen. 

Da sind die schrecklichen Bilder aus Italien – Armeelastwagen fahren dutzende Särge aus der Stadt Bergamo heraus. 

Die Angst um die eigenen Eltern, Großeltern und alle, denen dieses Virus gefährlich werden kann. 

Prognosen, wie lange es dauern wird. 

Und es gibt berechtige Bedenken, wie das denn wirtschaftlich am Ende ausgeht, 

wenn wir über viele Wochen hinweg von der Substanz leben. 

Und auf der anderen Seite: Wir versuchen diese neue Situation zu akzeptieren und zu gestalten:

Die Kinder sind zu Hause und wollen spielen. 

Die Eltern, im Home-Office, sind auch zu Hause und müssen arbeiten. 

Wir müssen uns neu justieren, aufeinander einstellen. Was mit uns anfangen!

Die Restaurants haben abends zu – aber da steht doch dieser Herd in der Küche – 

man könnte ja mal wieder kochen!

Geht auch ohne die weggehamsterten Nudeln und das Mehl. 

Wir hören nicht auf, das Leben zu feiern, uns an Blüten zu berauschen und uns zu freuen. 

Beim Spaziergang allein oder als Familie – oder vom Fenster aus!

Lätare: Freut euch.

Ein Freudensonntag mitten in der Passionszeit. 

Mut und Lebensgestaltung in Zeiten der Corona-Angst. 

Genau so. 

Und der Wochenspruch für den heutigen Sonntag heißt:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12,24)

Da ist es wieder – dieses hin und her. 

Da ist von Sterben und Alleinbleiben die Rede 

und auf der anderen Seite steht: Viel Frucht. 

Ein Wort, das indirekt von Jesus Christus redet, 

der den Weg nach bis ganz nach unten gegangen ist. 

Für uns, damit wir, wenn wir unten sind, nie allein sind. 

Seine Gegenwart in allen Momenten der Angst und Schuld und Verlassenheit verändert alles, 

ist der tiefere Grund für das „Lätare“, ist Grund zur Freude. 

Und da sitzt unser Lebensmut:

mitten im: „ich weiß überhaupt nicht, was auf mich zukommt“ - Jesu meine Freude!

Gerald Ssebudde, unser Kirchenmusiker in der Hoffnungsgemeinde, spielt jetzt drei Variationen des wunderbaren Chorals

Sie können mitsingen oder lesen dazu drei Verse ein aus einer neuen Dichtung des Dresdener Liedermachers Gerhard Schöne.


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