Farbenspiele

© Petra Kreß
Veröffentlicht am Mo., 30. Sep. 2019 08:00 Uhr
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„Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken: der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“
(1.Mose 9,13)

Leuchtend rot, kalt-blau, gelb und orange – und dazwischen viele Farbschattierungen, so sind die Fenster der Matthäuskirche gestaltet. Gerne schaut man hin, immer wieder lassen sich neue Farbspiele entdecken. So bunt, so vielfältig kann ein Kunstwerk sein. Unterschiedlich nehmen wir Menschen diese Farben war. Was für den einen wunderbar warm ist, ist für den anderen vielleicht nur übertrieben farbig, vielleicht sogar kitschig. Und entsprechend sind die Reaktionen darauf.

Trotzdem: diese Farben bringen ihre Umgebung zum Leuchten und Strahlen. Ohne die Fenster wäre die Matthäuskirche sicher zu schlicht und eintönig und in ihrer Farbgebung zu einheitlich.

Im Leben, im Jahreskreis der vergehenden Zeiten sind viele Tage eher unauffällig, einfarbig. Manche grau, manche leicht gefärbt, die wenigsten strahlend bunt. Ein Fest, ein Geburtstag, ein besonders glücklicher Tag mag sich mit bunten Farben im Gedächtnis festsetzen – für den Alltag reicht es aber auch aus, wenn alles weniger bunt zugeht – sonst droht uns die Pracht der Farben zu überwältigen.

Manche Tage im Leben sind ganz dunkel und voller Trauer. Jemand stirbt, das Leben fühlt sich danach düster an. Depressionen verdunkeln den Alltag. Im liturgischen Jahreskreis hat auch das seinen Platz. Zum Glück – nicht immer ist alles heiter und leicht, auch Schweres und Trauer braucht Raum und Ort.

Der Prediger Kohelet formuliert lapidar: „Ein Jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: „Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. Pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit. … Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“ (Prediger 3, 1, 2 und 4). Fast möchte ich sagen: wie gut, dass das gesagt wird, es bildet die Realität des Lebens ab- und nicht immer sind die Dinge bunt und gut. Das Dunkle und Schwere muss dazugehören dürfen. Zu uns, zum Leben.

 

Aber dann gibt es wieder Lichtblicke, Ausblicke, Neuanfänge.

Die Sonne geht unter - und wieder auf. Der Himmel verdunkelt sich und wird wieder hell. Leuchtend steht der Regenbogen dort - und wir freuen uns an seinen bunten Farben. Der bunte Regenbogen erinnert uns daran, dass GOTT seinen Bund mit uns unverbrüchlich geschlossen hat. ER ist mit uns auf unseren Wegen durch das Leben unterwegs. Den geraden und den krummen, den dunklen und den hellen. Sein Versprechen gilt.

Im Dunkeln will Er - GOTT - wohnen – und hat es doch erhellt, so dichtet Jochen Klepper 1938 in seinem Adventslied. Ein schönes Sprachbild, finde ich, und eine gute Aussicht.

So wünsche ich Ihnen gute Herbsttage mit wunderbaren Sonnenuntergängen, farbigen Abendhimmeln trotz abnehmenden Lichts und schneller einbrechender Dunkelheit. Und in all dem guten Mut. 

In Verbundenheit grüßt Pfarrerin Jutta Jekel

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