4 Basics für's Leben: Weg und Segen. Brot und Vertrauen

© Photo by Leiliane Fagundes on Unsplash
Veröffentlicht am Mi., 3. Apr. 2019 11:00 Uhr
Impuls

Basics 1 und 2: Weg und Segen  

Liebe Eltern von ...,

wir schreiben den Herbst 2037, und vor Ihnen steht an der Haustür ein junger gutaussehender Mann mit Schulterhaaren, deutlich erkennbaren Bartstoppeln im Gesicht und einem großen Rucksack auf den Schultern. „Heul nicht, Mama – das wird schon klappen mit dem Zimmer in Hamburg. Ich penn noch ein paar Wochen bei Yannick und dann find ich schon was. Das Semester geht los. Ich muss jetzt los – tschüss, ihr schafft das schon!“

Der Frosch im Hals ist unterdessen zum Ochsenfrosch geworden, der kaum noch Raum lässt und eine Mischung von Lebensfreude, Abschiedsschmerz, Fürsorge und Freiheitsdrang wabert durch Herz und Sinn. Alles klar, Großer, wir kommen schon klar, sagen Sie, da und irgendwoher fällt Ihnen der heutige Tag ein, an dem wir ... getauft haben und Sie sagen mit einem Mal. Ich sag dir nochmal deinen Taufspruch, und dazu legen Sie Ihrem Sohn die Hand auf den Kopf oder die kräftige Schulter. 

Gott sagt: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ 

Und mach, dass du fortkommst!

Ja, liebe Eltern, genau so könnte es sein. Und dafür ist dieser Tag heute da, damit wir diesen Abschiedstag im Herbst 2037, an dem ... das Haus verlässt, gut vorbereiten. 

Das tut man ja immerzu, sich fragen, was noch fehlt, was ich noch brauche, damit ich einen nächsten Schritt gut gehen kann. Heute geht es im ganzen Gottesdienst um dieses Thema, was wir brauchen, um das Leben gut Leben zu können, denn im Taufspruch für .., genau so wie im Predigttext für die Gemeinde finden sich solche grundlegenden Dinge, auf die es ankommt. Und damit wir die praktisch mit nach Hause nehmen können, halten wir fest, das sind:

Vier Basics für’s Leben –

1. Weg
Gott sagt: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Das ist der Taufspruch für ... und er stammt aus der Abraham-und-Sara-Erzählung im 1. Buch Mose. „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“, damit fängt die ganze Geschichte an und man möchte sagen: Na, ja, das wird dem Abraham nicht so schwer gefallen sein, der war doch Nomade und daran gewöhnt seine Zelte immer wieder auf- und abzubauen, daran gewöhnt, unterwegs zu sein. Aber hier geht es um einen großen Aufbruch, das Gewohnte verlassen, die Sippe, den Schutz der Verwandtschaft, wirklich in ein neues Land gehen! In welches? Auch das steht noch offen. In ein Land, das ich dir zeigen werde.

Und wer sich dann auf den Weg macht, der mit dem ersten Schritt beginnt, merkt nach wenigen Stunden schon, wie weit das Vertraute zurück liegt. Wer durch’s Gebirge geht, staunt über die zurückgelegten Höhenmeter. 

Und das ist ein Bild für’s Leben. Wir lassen Etappen und Wegstrecken hinter uns und kommen nie mehr zurück. Kindheit, Jugend, erste Liebe, die neue Familie. „Ein Tag, der sagt’s dem anderen, mein Leben sei ein Wandern.“

Das ist das erste Basic für heute: Das Leben als Weg zu verstehen und nicht als Immobilie, nicht als Besitz. Mit dieser Grundeinstellung ändert sich alles. Richtet man sich für ein Leben im Haus ein, oder für ein Leben auf dem Weg? Unterwegs braucht man nur leichtes Gepäck.

Und deshalb das zweite Basic:

2. Segen
Und weil das so ein großer Schritt ist, kommt das Segenswort an Abraham. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“

Segnen heißt auf lateinisch auch „benedicere“ – Gutes sagen. Einem Menschen ein gutes Wort ins Herz, ins Leben legen, wie ein Saatgut, das dann aufgeht. Und das Wort für ... macht ja deutlich, worin dieses Aufgehen der Saat bestehen kann. Dieses Wort bewirkt etwas. Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.

Wer das Wort hört und annimmt, der gewinnt ein neues Bild von sich selbst, von den Passiva und Aktiva des Lebens, der kapiert. Ich bin beschenkt, darum, darf ich beschenken, ich bin angenommen, darum, darf ich herzlich frei auf andere zugehen. Da wird das Leben nicht aus dem Defizit heraus gelebt, sondern von dem, was ins Leben gelegt wurde. 

Da gilt: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. 

Lesung: Joh 6,47–51
Jesus spricht:

47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

Selig, die Gottes Wort hören und bewahren.

Amen.

Basics 3 und 4: Brot und Vertrauen
Liebe Gemeinde,

vier Basics für das Leben – darum soll es heute gehen. 

Zwei haben wir bei der Taufe von ... schon besprochen: Dass das Leben ein Weg ist und kein Haus, dass wir Etappe um Etappe hinter uns lassen und wir auf ein Ziel zugehen. 

Und dass wir auf diesem Weg die Zusage brauchen, die den Blick wendet. Du bist gesegnet, und du kannst segnen, du bist beschenkt und deshalb kannst du schenken, du bist geliebt und deshalb kannst du lieben.

Ja, und irgendwann hat man trotzdem einfach Hunger. Und Brecht hat ja recht, dass zuerst das Fressen kommt und dann die Moral und deshalb heißt das dritte Basic für heute:

3. Brot
Unser tägliches Brot gib uns heute. Brot ist etwas ganz Besonderes für uns. Es bezeichnet alles, was wir zum Leben brauchen. Brot für die Welt, das ist mehr als Brot allein. Wer Brot hat, hat eine Basis und kann überleben, alles Weitere ist Butter und Marmelade. Aber wenn das Brot fehlt, fehlt die Grundlage. 

Der Predigttext, wir haben ihn eben schon gehört, erinnert an eine andere große Geschichte in der Bibel. In den 40 Jahren in der Wüste wurde das Volk Israel von Manna ernährt – wir wissen das heute als Koriandersamen, der in der Wüste wächst zu erkennen. Wie Brot, schmackhaft, wenig haltbar aber, war zu essen von Tag zu Tag, von der Hand in den Mund, keine Vorratshaltung war möglich; war auch nicht nötig. Manna, das tägliche Brot wurde erbeten und geschenkt.

Daran knüpft Jesus an und das Johannesevangelium lässt das in besonderer Weise zur prägnanten Sprache werden und in seinen Worten sagt Jesus dann einen dieser Sätze im Johannesevangelium, die sein Wesen für diese Welt bezeichnen:

Ich bin das Brot des Lebens.

Wenige Sätze später heißt es: 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.

Und der Unterschied zu Manna ist, dass Manna eine zeitlich sehr begrenzte Wirkung hat. Es ist nicht wirklich habhaft. Ich esse es und brauche es bald wieder neu. Das Brot des Lebens das hält nicht nur für das ganze Leben, sondern in Ewigkeit. Es ist eine feste Basis für das Leben.

Geht es Ihnen auch so, dass man über Brot nicht lange reden kann, ohne Hunger zu bekommen? Nein, wir feiern kein Abendmahl, aber wir geben zwei Brotkörbe herum und nehmen Sie sich einfach ein Stück und genießen es, dass es würzig ist und süß und Kraft gibt und schmeckt. 

Das besondere bei den „Ich-bin-Worten“ im Johannesevangelium ist immer wieder, dass ein Begriff, der ganz bekannt ist, wie Weinstock, wie Leben, wie Auferstehung, Tür und Brot nun ganz exklusiv bezogen ist auf Christus. Das Brot des Lebens, das bin ich. 

Ihr kennt alle das Brot, ihr wisst, um was es bei Brot geht, dass wir die Lebensgrundlage brauchen. Für Menschen, die zu Christus gehören ist das Brot des Lebens Christus. Sein Leben, sein Wirken, sein Sterben, sein Auferstehen – ist unser Leben. Wir in ihm, er in uns. Das ist das Grundprinzip des Neuen Testaments. Ich bin das Brot des Lebens. 

Es fehlt gerade nur noch eines:

Das vierte grundlegende Element für heute:

4. Vertrauen
Dass das so ist. Dass meine Deutung keine Selbsttäuschung ist. Dass mein Lebensdasein kein verlorenes und zufälliges Getrieben-Sein ist, sondern Unterwegssein zum Ziel. Dass das Segenswort keine autosuggestive Taktik ist, sondern ein Wort mir vom Himmel ins Herz gesagt. Dass das Brot mehr ist, als ein paar Kohlenhydrate, sondern Grund und Basis zum Leben. Dass dieser Mann aus Nazareth der ist, in dem Gottes Liebe für erkennbar und spürbar wird. Dass ich in einem Streit Geborgenheit erfahre, dass ich in Dunkelheit hoffen darf, dass es wieder licht wird, dass ich andere trösten kann, dass ich selbst getröstet werde. Dass ich mir nichts vormache, sondern wirklich geborgen bin, wie geht das denn?

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.

Und Glauben heißt Vertrauen. All das, was wir glauben ist eine Deutung, die auch anders sein kann. Theologinnen und Theologen streiten um Deutungshohheiten, die Physik, die Philosophie, je nach Herkunft, ob empirisch praktisch oder theoretisch angelegt, beschäftigen sich mit den gleichen Phänomenen und deuten sie anders. Soziologie und Psychologie und Neurologie zu fragen, was Leben ist und Halt und Geborgenheit und Gefühle, all das zeitigt andere Ergebnisse. Und gelassen darf bleiben, wer all das spannend und in Offenheit hört und verfolgt, wer sich irritieren lässt und erweitern lässt, wer verliert und neu gewinnt.

Denn es kann nicht bewiesen werden. Im Kern ist es Glaube, und zwar ein Glaube, der verstehen will, und dabei doch Glaube bleibt. Und Glaube ist personal immer Vertrauen. Nicht ein Glaube, dass etwas so ist, sondern ein Vertrauen, dass sich selbst einem anderen anvertraut. Ja, ich gehe mit dir mit. Ich vertraue dir.

Vier Basics für heute.

Unser Leben als Weg, nicht als Haus.

Der Segen als lebensgestaltende Botschaft für mein Leben.

Das Brot des Lebens, von dem ich Leben kann.

Das Vertrauen in mir, das die gewagte Deutung zulässt. Ich bin kein Zufallsobjekt, sondern ein Kind Gottes – so wie wir das bei ... gesungen haben. 

Wenn Sie nun diese vier Stichpunkte einfach zuhause aus jeweils ein Blatt schreiben, und dazu, was Ihnen einfällt, dann fällt Ihnen auf, dass das so unterschiedlich sein kann. Neulich sagte jemand mir, nach der schweren Krankheit meiner Frau, habe ich das Vertrauen verloren. Aber ich bin dankbar, für das was war. Weg, Segen, Brot, Vertrauen. 

Wie gut, wenn wir uns davon erzählen, was uns hält und prägt!

Amen.


Bildnachweise: